Ich bin traumatisiert: wie kann mir geholfen werden?
Wir alle erleben im Verlauf unseres Lebens überwältigende Ereignisse, die uns stark belasten. Und manchmal ist das Leben danach ein anderes als vorher.
Traumatische Erfahrungen gehen oft mit Gefühlen extremer Ohnmacht und Hilflosigkeit einher. Der Alltag wird zu einer Last, die Gedanken kreisen, und es stellen sich unbekannte, belastende Gefühle ein. Anfangs denken wir: Das wird schon wieder. Und irgendwann finden wir uns wieder in einem Gefängnis der Anspannung und Freudlosigkeit.
Was bedeutet Traumatisierung?
Ob Unfall oder Krankheit, ob Naturkatastrophe oder der Tod eines nahen Angehörigen: Extrem belastende Ereignisse können ein Trauma auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt ein Trauma als ein kurz oder lang anhaltendes Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß. Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 spricht vom Ausgesetztsein gegenüber tatsächlichem oder drohendem Tod, schwerer Verletzung oder sexuellem Missbrauch, als Opfer oder als Zeuge.
Was kein Trauma ist
Alltagsbelastungen haben nichts mit einem Trauma zu tun. Im Alltag wird der Begriff oft umgangssprachlich verwendet: ein langweiliger Nachmittag, ein Stau, ein finanzieller Einbruch: alles schnell „traumatisch“ genannt. Diese unsachliche Verwendung verharmlost die tatsächliche Schwere einer echten Traumatisierung. Den Menschen, die schwere traumatische Erfahrungen machen mussten und unter den Folgen leiden, wird sie nicht gerecht.
Außergewöhnliche Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis sind normal.
Was normal ist, und was nicht mehr
Jeder Mensch reagiert anders. Das hängt ab von der Schwere des Erlebten, von der eigenen Widerstandskraft und vom sozialen Umfeld.
Unmittelbare Reaktionen sind normal: Gefühle der Hilf- und Schutzlosigkeit, Angst und Entsetzen, Kontrollverlust, emotionale Taubheit, Erstarrung. Auch in den Tagen danach sind Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle, ständiges Grübeln und Schlafstörungen eine ganz normale Reaktion. Das sind außergewöhnliche Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis, und sie klingen meist nach Stunden bis Tagen wieder ab.
Wenn die Symptome bleiben: Folgen auf ein Trauma anhaltende Beschwerden, die auch nach Wochen und Monaten nicht verschwinden, spricht man von einer Traumafolgestörung oder posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS.
Typische Anzeichen einer Traumafolgestörung
- Wiederholtes Erleben des Traumas in Erinnerungen, Träumen oder Albträumen
- Andauerndes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit
- Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit
- Freudlosigkeit
- Vermeidung von allem, was an das Trauma erinnern könnte
- Erhöhte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit
- Schlafstörungen
- Angst und Depression
- Beeinträchtigungen in Beruf, Beziehungen und Alltag
Diese Anzeichen treten meist nicht ständig und nicht gleichzeitig auf. Sie belasten die Betroffenen aber sehr.
Warum Kinder anders reagieren
Kinder nehmen schwere Ereignisse oft scheinbar mühelos hin. Sie reagieren direkt und emotional: Sie lachen, weinen, schreien vor Angst oder Wut. Das Erlebte können sie nicht als traumatisch benennen, und es scheint einfach vergessen zu werden. Doch oft hat es gravierende Folgen für die verletzte Seele, manchmal erst Jahre später.
Was in der Therapie hilft
Es gibt verschiedene Wege: EMDR, TRIMB, kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Psychotherapie, narrative Expositionstherapie sowie musiktherapeutische, kunsttherapeutische und körpertherapeutische Verfahren.
Drei Dinge sind dabei aus meiner Erfahrung entscheidend:
- Die therapeutische Beziehung. Sie ist die Grundlage für Sicherheit und Vertrauen.
- Die passende Methode. Was zu Ihnen passt, klären wir gemeinsam, mit offener Aufklärung über Nutzen und Grenzen.
- Geduld und Realismus. Heilung ist kein gerader Weg. Kleine Schritte und Zeit zur Verarbeitung gehören dazu.
In meiner Praxis beginnen wir mit behutsamen Gesprächen, sehen uns gemeinsam den Kern des Problems an und finden den Weg, der zu Ihrer Situation passt.
Mit Unterstützung lässt sich vieles leichter lösen
Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir. In einem kurzen Vorgespräch lernen wir uns kennen, und Sie entscheiden, ob eine Zusammenarbeit für Sie hilfreich sein könnte.
