Zum Inhalt springen

Ich stehe neben mir: Dissoziation nach einem Trauma

Vielleicht haben auch Sie manchmal das Gefühl, dass Ihr Leben und die Welt um Sie herum seltsam unwirklich erscheinen?

Dass Sie Ihr Leben und sich selbst von außen betrachten wie einen Film? Sie sehen Ihre Freunde miteinander reden, hören, was sie sagen, aber Sie sind nicht Teil des Geschehens? Sie schauen nur zu?

Oder erscheint Ihnen Ihr Körper zuweilen fremd, als würde er gar nicht zu Ihnen gehören? Sie sehen, wie die Hand an Ihrem Arm sich bewegt, wie sie ihre Arbeit tut, aber es ist nicht Ihre Hand. Es ist nur irgendeine Hand.

Derartige Erfahrungen sind verwirrend und beängstigend. Sie können dauerhaft werden, und oft werden sie dann als normal empfunden. Sie deuten auf ein Phänomen hin, das man Dissoziation nennt.

Was Dissoziation ist

Dissoziation ist ein Gefühl der Entfremdung von sich selbst oder von der Wirklichkeit. Sie kann durch ein Trauma oder durch starken Stress ausgelöst werden und ist zumeist eine schützende Reaktion des Gehirns auf etwas, das zu überwältigend war.

Dissoziation ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Schutz.

Wie sie sich zeigt

Für Außenstehende ist Dissoziation meist unsichtbar. Für die Betroffenen prägt sie jedoch das Erleben, die Beziehungen und das Gefühl von Sicherheit. Es gibt verschiedene Formen:

  • Depersonalisation: sich selbst außerhalb des Körpers sehen, wie ein Zuschauer handeln, Entfremdung von den eigenen Gedanken und Gefühlen
  • Derealisation. Die Welt wirkt unwirklich, fremd, leblos oder wie im Traum; das betrifft Menschen und Gegenstände ebenso wie Licht, Geräusche und Gerüche
  • Gedächtnislücken: Schwierigkeiten, sich an belastende Ereignisse zu erinnern, und in der Folge ein Gefühl der Leere
  • Veränderte Selbstwahrnehmung: in Bezug auf Werte, Überzeugungen, Ziele
  • Flashbacks: plötzliches, intensives Wiedererleben
  • Emotionale Taubheit: Gefühle sind gehemmt oder gar nicht da
  • Veränderte Sinneswahrnehmung: Taubheit oder Kribbeln in Haut, Augen oder Gliedern
  • Konzentrationsprobleme: verspätete Reaktionen in Gesprächen, Schwierigkeiten, aufmerksam zu bleiben
  • Zeitliche Verzerrungen: Verlust des Zeitgefühls, Planungsprobleme
  • Körperliche Beschwerden: Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden

Woher sie kommt

  • Trauma, etwa Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung, Gewalt, Unfall, Krieg, Naturkatastrophe
  • Chronischer Stress: langandauernde Überforderung, etwa bei chronischen Erkrankungen, in der Pflege von Angehörigen oder in belastenden Arbeitsverhältnissen
  • Psychische Erkrankungen: PTBS, Angststörungen, Depression, Borderline
  • Substanzen: Alkohol und Drogen können dissoziative Zustände verstärken
  • Körperliche Ursachen: in manchen Fällen etwa Epilepsie oder Hirnverletzungen

Was sofort helfen kann

Sogenannte Grounding-Techniken helfen, sich im Hier und Jetzt zu verankern:

  • Atemübungen
  • Zähltechniken
  • Sinnesreize: etwas Anfassen, ein Geräusch, ein Geruch
  • Körperliche Übungen
  • Die Konzentration auf einen einzelnen Gegenstand
  • Das innere Bild eines sicheren Ortes

Und in der Therapie

In der Literatur werden vor allem traumatherapeutische Verfahren wie EMDR und TRIMB genannt, außerdem kognitive Verhaltenstherapie und dialektisch-behaviorale Therapie.

Dissoziative Zustände lassen sich verringern, und die Lebensqualität kann sich verbessern. Welcher Weg für Sie passt, finden wir gemeinsam heraus.

Mit Unterstützung lässt sich vieles leichter lösen

Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir. In einem kurzen Vorgespräch lernen wir uns kennen, und Sie entscheiden, ob eine Zusammenarbeit für Sie hilfreich sein könnte.